Geschichte | Selbstdarstellung Print
eine der kleine vor allem deutsche Migrantenkirche. Anders als die meisten anderen Kirchen, die im Zuge des „Keltischen Tigers“ nach Irland kamen sind, reichen ihre Wurzeln mehr als 300 Jahre zurück. 1690 bildete sich die erste lutherische Gemeinde in Dublin aus Kaufleuten und Seeleuten und nach dem Battle of the Boyne in Irland „hängen gebliebenen“ deutschen und dänischen Söldnern. 1697 konnte dann eine feste Pfarrstelle errichtet werden.

Lange Zeit ihrer Geschichte stand die lutherische Gemeinde mir ihren Gottesdiensten unter der Jurisdiktion des anglikanischen Erzbischofs von Dublin. Mitte des 18. Jh. konnte die Gemeinde mit finanzieller Unterstützung vor allem aus Holland und von der Church of Ireland eine eigene Kirche bauen. Sie stand in der Poolbeck Street im Hafenviertel Dublins. Ein Brand der Kirche Mitte des 19. Jahrhunderts traf die Gemeinde schwer. Die Kirche konnte nicht wieder aufgebaut werden, das Gemeindeleben kam zum Erliegen. Etwa 80 Jahre lang gab es keine lutherischen Gottesdienste in Dublin. In den 30er Jahren und dann vor allem nach dem 2. Weltkrieg kamen wieder mehr Deutsche nach Irland, es wurden wieder deutschsprachige lutherische Gottesdienste gefeiert. 1955 wurde durch den Lutherischen Weltbund die Gemeinde dann offiziell wieder gegründet. Die Church of Irland überließ 1960 der Lutherischen Kirche in Irland die St. Finian’s Kirche in der Adelaide Road. 1961 wurde sie feierlich durch den schwedischen Bischof Lundström und unter Mitwirkung von Erzbischof Dr. Simms eingeweiht.
Heute, 50 Jahre später, pflegt die Gemeinde ein lebendiges, geselliges Gemeindeleben mit etlichen Gruppen und Kreisen für Kinder und Jugendliche, junge Erwachsene und Frauen. Deutsche Kirchenmusik wird gepflegt, es gibt aber auch einen kleinen Gospelchor. Neben der überwiegend deutschsprachigen Arbeit ist ein ebenfalls lebendiger englisch-sprachiger, internationaler Zweig entstanden. Monatlich ist ein Hauptgottesdienst in englischer Sprache und wöchentlich findet ein multilingualer Taizé-Gottesdienst statt.


Die Gemeinde hat ihr Zentrum in Dublin mit der St. Finian’s Kirche und dem Lutherhaus in der Adelaide Road, Dublin 2. Pastorin Corinna und Pastor Joachim Diestelkamp reisen aber auch oft über Land und halten Gottesdienste oder Trauungen, Taufen und Beerdigungen in Belfast, Sligo, Mullingar, Limerick, Galway, Killarney, Wexford. In Midelton bei Cork hält ein ehrenamtlicher deutscher Pastor, Harald Schieber, regelmäßig Gottesdienst. Neben ihm tut eine zweite ehrenamtliche Pastorin, Annette Malzahn Gathmann, und zwei für die Verkündigung beauftragte Prädikanten, Dr. Gesa Thiessen und Frithjof Berndsen regelmäßig Dienst in der Gemeinde.


Seit vier Jahren teilt sich die Gemeinde Kirche und Gemeindehaus mit der Lettisch-Lutherischen Kirche in Irland. Deshalb und weil auch sonst die Gemeinderäume für die gewachsene Gemeinde zu klein geworden sind, wird seit ein paar Wochen auf dem Gelände der Kirche gebaut. Unzweckmäßig gewordene kleinere Anbauten wurden abgerissen und es wird in den nächsten Monaten ein größeres Lutherhaus gebaut werden, das baulich die Kirche und das alte viktorianische Pfarrhaus miteinander verbinden wird. Das ist ein spannendes Vorhaben, vor allem weil die neue lettische Gemeinde und die alte St. Finian’s Gemeinde vieles am Bau mit ehrenamtlicher Kraft leisten wollen und bereits geleistet haben. In etwa einem Jahr hoffen wir, den neuen Bau einweihen zu können.

Gedanken zum Abendmahls- und Amtsverständnis


In der deutschen lutherischen Tradition wird das Abendmahl sehr vielseitig gefeiert, um die Fülle des eucharistischen Geheimnisses wider zu spiegeln. Es gibt Abendmahlsfeiern, bei denen vor der Altarreling gekniet wird – das betont den ganz persönlichen Heilsempfang. Es gibt Feiern, bei denen das Abendmahl in einem oder in mehreren Kreisen empfangen wird. Das betont den Gemeinschaftsaspekt. In Ausnahme werden Brot und Wein auch als Wandelkommunion ausgeteilt.


Überhaupt ist der Kelch obligatorisch. Das Abendmahl sollte in beiderlei Gestalt gegessen und getrunken werden. Wer aus welchen Gründen auch immer nicht aus dem Gemeinschaftskelch trinken kann, kann die Hostie eintauchen oder einen Einzelkelch nehmen, der auf einem extra Tablett bereit steht. Statt Hostien wird immer wieder auch Brot gereicht. Dabei ist es wichtig, dass das Brot erst bei den Einsetzungsworten gebrochen wird, denn es heißt: „er nahm das Brot, dankte, und brach es“. Das eine Brot symbolisiert den einen Leib, und der Gemeinschaftskelch symbolisiert den einen Kelch des Heils für alle Glaubenden.

Nach lutherischem Verständnis werden bei der Konsekration die Hostie und der Wein nicht physisch in Leib und Blut Christi verwandelt, sondern Martin Luther verglich das Geheimnis des Sakramentes mit einem Eisen, das in Feuer getaucht wird. Das Eisen bleibt Eisen, aber es wird heiß und rot. In diesem Sinne schenkt sich Christus unter und in Brot und Wein den Gläubigen. Er ist nach lutherischem Verständnis aber nicht allein in den Elementen gegenwärtig, sondern inmitten in der Mahlfeier in den Herzen der Gläubigen.

Weil Martin Luther eine physische „Vergöttlichung“ der Elemente abgelehnt hat, sind Brot und Wein nach dem Abendmahl wieder das was sie vorher waren: ganz normales Brot, ganz normaler Wein – so wie Eisen, aus dem Feuer genommen, wieder kalt und eisenfarbig wird.

Nach lutherischem Verständnis braucht es keine spezielle Priesterweihe, um das Abendmahl einsetzen zu können. Lutherische Pastorinnen und Pastoren sind keine Priester nach katholischem oder anglikanischem Verständnis. Nach Lutherischen Verständnis ist jede Gläubige und jeder Gläubige durch die Taufe und den die Taufe annehmenden Glauben zum Priester, zur Priesterin geweiht. Aber um der Ordnung in der Gemeinde willen, werden einzelne Frauen und Männer für den Dienst der öffentlichen Verkündigung und Sakramentsverwaltung beauftragt und für diesen Dienst eingesegnet. In der Regel sind dies Pastorinnen und Pastoren, die von der Kirche Vollzeit angestellt werden, aber ebenso können Ehrenamtliche beauftragt werden, nachdem sie eine entsprechende theologische Ausbildung abgeschlossen haben.
 
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