Geschichte | Die Pfälzer in Irland Print

Die Menschen wurden gefoltert. Die Not und das Elend der pfälzischen Bevölkerung wurde verschlimmert auf Grund der Entscheidung der Allianz von England, Holland, Schweden und Preußen, dem Expansionsbestreben der französischen Krone durch einen Krieg in diesen Gegenden Einhalt zu gebieten. Hinzu kam ein strenger Winter 1703 und und nochmal 1708, die zu Hungersnöten führten. Für viele Pfälzer schien die einzige Lösung in der Auswanderung zu liegen.
So verliessen im Jahr 1709 etwa 7000 Menschen die Pfalz. Sie waren hauptsächlich lutherischen Bekenntnisses und stammten aus den unteren Schichten. Über Holland kamen sie nach England.
Königin Anne von England hatte von der Armut und Intelligenz der Menschen gehört und hatte ihnen Schiffe zur Verfügung gestellt. Sie gewährte den „aufrichtigen und arbeitswilligen Pfälzern“ einen „Schilling“ pro Tag, bis eine Entscheidung über die Weiterreise gefallen war.
Etwa die Hälfte der 7000 zog nach Irland, während die andere Hälfte in die englischen Kolonien in Amerika weiter wanderte. In Irland siedelten 800 lutherische Familien. Besonders erfolgreich war die Ansiedlung von 150 Familien in der Nähe von Rathkeale, County Limerick, welche sich zum Zentrum für die deutschen Lutheraner entwickelte. Weitere Ansiedlungen fanden sich in Gorey und Old Ross in Co. Wexford, sowie in den Counties Cork und Dublin.
Die Familien durften bis zu acht „acre“ Land besitzen, wofür sie eine geringe Pacht bezahlen mussten. Die Zahlung übernahm für die ersten zwanzig Jahre die englische Krone, natürlich um die Siedler im Land zu halten. Die anglo-irischen Landbesitzer und somit Verpächter waren den pfälzischen Protestanten sehr wohlgesonnen.
Die Königin wurde in ihrer Einschätzung nicht enttäuscht, brachten doch die deutschen Einwanderer neue Methoden in die irische Landwirtschaft ein. So wurden erstmals Gänse in Irland gezüchtet, angeblich wurden erstmals Apfelbäume gepflanzt. Zudem wurde die Stallhaltung für Vieh eingeführt, die bis dahin völlig unbekannt auf der Insel war.
John Wesley, Mitbegründer der „Methodistischen Kirche“, hatte durch seine Kontakte zur Herrnhuter Gemeinde – „Moravian Church“ – Deutsch gelernt. Unter einem Birnbaum in Ballingrane, County Limerick, der noch heute Interessierten gezeigt wird, predigte er zu den deutschen Lutheranern in ihrer Landessprache. Aus Anerkennung wechselten viele Familien von der lutherischen Kirche zur methodistischen Kirche. (Warum die lutherische Kirche in Dublin, die nach unseren Informationen schon seit 1697 in Irland existierte, oder die anglikanisch-englischen Kreise, die die Kirchengründung in Dublin unterstützte und forcierte, keinen Einfluss auf die Einwanderer ausübte, ist uns derzeit nicht bekannt.)
Das pfälzische Deutsch wurde bis ins späte 19. Jahrhundert gepflegt. Die letzte Nachfahrin der ausgewanderten Pfälzer, die selbst noch dieses Deutsch sprach, wie es ihr überliefert worden war, verstarb in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts in Rathkeale.
Typische Nachnamen, die auf die Einwanderung der lutherischen Pfälzer hinweisen, finden sich noch heute in der Gegend um Rathkeale (in Auswahl): Bartmann, Benner, Bovenzier, Cronsberry, Grouse, Hartwick, Ludwig, Lowe, Miller, Modler, Rodenbecker, Siebert, Siebert, Singer, Stork, Switzer, Zigler. In ganz Irland finden sich weitere Namen pfälzischen Ursprungs, z.B.: Altimes, Beever, Boller, Fock, Fugenacht, Hess, Hoffmann, Jacobus, Klein / Kline, Lambert, Reessnagh / Rufenacht, Schmidt / Smyth, Schultz / Sultz, Twiss, Walter, Wolf, Writer/Rieter, Zoung.
Die Lutherische Kirche in Irland hat in den letzten Jahren eine Stiftung der Pfälzer (Georg Felster Stiftung) übernommen. Sie wird derzeit vom Kirchenvorstand in Dublin betreut. Aus den Stiftungszinsen wird in jedem Jahr eine Familie in Not unterstützt.
Über die Pfälzer in Irland gibt es ein Museum:
The Irish Palatine Heritage Centre

Rathkeale

County Limerick

Tel: +353 69 64397 Fax: + 353 69 64220
Das Zentrum ist von Juni bis September geöffnet und stellt Kunstgegenstände, Fotografien und anderes aus, was mit den pfälzischen Familien und Wurzeln zusammenhängt. Das Zentrum liegt direkt an der N 21 in Rathkeale und verfügt über Parkplätze für PKWs und Busse. Ein Tearoom ist ebenfalls vorhanden.
Darüber hinaus gibt es The Irish Palatine Association. Über das Heritage Centre ist der Verein zu erreichen.
www.irishpalatines.org

 

 
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